Michaels Erfahrungsbericht über Langstrecke

„Hallo Joachim,

wie versprochen, melde ich mich nun einmal von meiner Reise mit den Pilgerwagen. Die beiden Wagen waren Segen und Fluch zugleich. Segen, weil sie uns die Schlepperei der Ausrüstung extrem vereinfacht haben. Fluch, weil die Wagen sehr schwer und sperrig sind und sie uns die Möglichkeiten des Transportes mit Auto, Bus, Bahn eingeschränkt haben. Meine Frau, mein Sohn und ich sind im letzten halben Jahr von Deutschland über die Schweiz, nach Frankreich, Spanien, Portugal und wieder nach Spanien gereist. Das waren etwa 3500 Kilometer. Wir sind sehr viel gelaufen, haben aber auch Bus, Bahn genutzt. Mit dem Auto per Anhalter sind wir ebenfalls einen kleinen Teil der Strecke gereist. Die Wagen haben sich in Bezug auf Stabilität sehr gut gemacht, es ist während der gesamten Reise zu keinen Schäden an den Wagen selbst gekommen. Lediglich eine Reifenpanne hatte ich an meinem Wagen. In Spanien hatten wir ein Erlebnis an dem wir die Wagen am liebsten zurückgelassen hätten. Wir hatten einen Zwei-Tagetrip durch einen Pinienwald. Nur Sandboden, Wurzeln und fast alles bergauf. Hier war unser Sohn ohne Pilgerwagen deutlich im Vorteil. Die Wagen liesen sich auf Grund des Gewichtes nicht tragen, obwohl es technisch machbar gewesen wäre. Wir kamen nur sehr schleppend voran. Auch in Bussen, Autos und der Bahn waren sie mehr hinderlich. Sie sind einfach zu sperrig und groß. Hier wäre eine Verbesserungen in Bezug auf Gewicht und Größe angebracht. Ich mache mir dazu eventuell auch ein paar Gedanken.

Beim Wadern auf Straßen und befestigten Wegen waren die Wagen allerdings eine sehr große Hilfe und haben uns die Schlepperei der Ausrüstung erspart. Mein Wagen hatte ein Gesamtgewicht von etwas mehr als 30kg, der meiner Frau etwa 25kg. Kurz vor Start der Reise habe ich noch eine Plattform im Bereich hinter der Achse gebaut, ähnlich deiner Variante. Dies hat sich als sehr gut erwiesen, da man so mit Teilen der Ausrüstung und den Wasserbehältern das Gewicht besser verteilen konnte. Allerdings schränkt diese Plattform die Transportmöglichkeiten noch weiter ein. Vielleicht müsste mann die Plattform nach innen klappbar oder noch besser mit wenigen Handgriffen abnehmbar gestalten.

In Verbindung mit zwei 3×3 Meter großen Tarps dienten uns die Waren sogar als Unterkonstruktion für ein Sonnensegel oder manchmal auch als Regenschutz.

Trotz aller Schwierigkeiten die wir beim Transport mit Verkehrsmitteln hatten, hat sich der Wagen in seiner eigentlichen Funktion als sehr sehr gut erwiesen und außerdem viele erstaunte Blicke auf sich gezogen. Viele Pilgerer die wir auf unserer Reise getroffen haben, waren angetan von dieser Idee und fanden sie sehr gut. Am Anfang haben wir die Wagen oft mit Befestigung am kleinen Rucksack gezogen. Aber im Laufe der Zeit war es bequemer die Wagen vor sich her zu schieben.

Der von mir entworfene Zuggriff hat sich als sehr praktisch erwiesen, gerade wenn es mal mit dem Einfahren der Deichsel schnell gehen musste (Bus, Bahn). Auch in Sachen Stabilität gab es da nichts auszusetzen.

Ich hoffe ich konnte dir einen kleinen Eindruck unserer Reise mit den Wagen verschaffen. Zur Zeit sind wir in Südspanien, werden aber in den nächsten Wochen in die Schweiz fliegen. Für den Flug werde ich die Wagen soweit es geht demontieren (Achse und Plattform), da sie sonst das zulässige Gesamtmaß überschreiten.

Was den Rest der Reise angeht, war es bis jetzt eine absolut einzigartige und tolle Erfahrung, einmal zeitlos zu Reisen und die Welt zu genießen. Es gab viele Begegnungen mit tollen Menschen. Wir hatten keine einzige schlechte Erfahrung, nur positive Erlebnisse. Die Landschaften und die Natur waren atemberaubend. Nach einer Pause in der Schweiz soll es dann später weiter gehen, dann in andere Kontinente und Länder.

Gibt es bei dir schon wieder Pläne für eine neue Version deines Pilgerwagens? Hoffe ich kann mit meinen praktischen Erfahrungen zur Weiterentwicklung des Wagens beitragen. Falls du Fragen hast, stehe ich dir gern zur Verfügung.

Bis dahin, alles Gute

Micha“

 

 

Dank dir Micha für deinen ehrlichen Erfahrungsbericht!

Postskriptum:

Wie so oft im wahren Leben, für das Eine gut aber für das Andere schlecht; zumal man sich mit einer Transporthilfe meistens dazu einläßt, mehr an Gewicht (für Reisekomfort) dabei zu haben. Außerdem spielen Wegebeschaffenheiten des jeweiligen Vorhabens eine immense Rolle. Und wenn man auch noch zu dritt mit 2 Pilgerwagen unterwegs ist, ist natürlich die Anhaltersituation oder die Fahrt mit Bus od. Bahn auch eingeschränkter als solo oder nur mit kleineren Rucksäcken.
Die ‚Sperrigkeit‘ liegt m.E. also weniger am Trailer als vielmehr an der mitgeführten Menge des Gepäcks.  😉

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